The Now-Generation

KH2D über's Morsen
Jim Kehler  KH2D ist aktiver Kurzwellen DXer und Contester, ein Dickschädel, daneben noch witzig und gebildet und versteht es, seine Meinung eloquent zu vertreten. Man muß nicht mögen, was er sagt, man muß auch nicht einer Meinung mit ihm sein, aber seine Anregungen sind es allemal wert, überdacht zu werden. Die nachfolgende Seite ist eine freie Übersetzung seiner Webseite, die ich mit seinem Einverständnis angefertigt habe. Genau wie ich glaubt Jim nicht an viele bunte Bilder auf einer Webseite, wir glauben immer noch an die Macht des Wortes. Lest nun, was Jim uns über CW mitzuteilen hat.

CW im Amateurfunk. Kurzfassung.

Morsen. Charly Whisky oder einfach nur CW, wie es die alten Hasen zu nennen pflegen. Seit Jahrzenten kommunizieren Funkamateure in dieser Betriebsart weltweit untereinander. Dit's und Dah's. Eine einfache und doch effektive Art der Kommunikation.

Morsen war schon immer Bestandteil einer jeden Amateurfunkprüfung. Je höher die Lizenzklasse sein sollte, desto schneller mußte man auch morsen können.

Funkamateure mit einer sogenannten "Novice-Lizenz" durften eingeschränkt auf den Kurzwellenbändern tätig werden, nachdem eine Morseprüfung mit 25 Buchstaben pro Minute erfolgreich abgelegt hatten.

Die No Code Technicians Lizenz.

Irgendwann vor ein paar Jahren kam irgendjemand (unwichtig, wer...) auf die Idee, daß die Wachstumszahlen im Amateurfunk nicht mehr den gewünschten Wert erreichten und daß Morsen als Einstiegskriterium ein Hindernis darstellt, das viele Interessierte den Zugang zu unserem Hobby verwehrt. Man kam zu dem Entschluß, eine Lizenzklasse zu schaffen, mit der Funkamateure Zugang auf die Kurzwellenbänder bekamen und dort mit einem Mikrofon Betrieb machen durften, ohne dafür eine CW-Prüfung abzulegen. So kam es zur Schaffung der "No Code Tech License".

Diese Lizenzklasse erwies sich in der Tat als ein Anreiz, sich mit dem Hobby und dem Faszinosm Amateurfunk auseinanderzusetzen. No Code Techs durften auf UKW, Sprechfunkbereichen im 6-Meter Band und mit einer kleinen Morseprüfung von 25 BpM sogar in speziell dafür vorgesehenen Bereichen im 10-Meter Band funken.

Nur, daß es damit zwei Probleme gibt. Zum ersten ist das 6-Meter Band ein Band, dem man sich mit viel, viel Geduld (oder verrückter Besessenheit) nähern muß; "Öffnungen" gibt es nur sporadisch und manchmal dauert es drei Monate, bis man überhaupt eine Station auf dem Band hört. Hört sich echt spannend an, oder? Zum zweiten ist das 10-Meter Band ein DX-Band, auf dem man mit wenig Leistung die ganze Welt erreichen kann - zumindest im Sonnenfleckenmaximum. Im Minimum eines Sonnenfleckenzyklus aber dauert es vielleicht acht Jahre, bis man mal ein anständiges QSO fahren kann, außer man möchte mit seinem Hausnachbarn sprechen. Noch spannender, oder?

Wo stehen wir heute (1999)?

Die 90 Jahre brachten in den USA (und auch in Europa) einen Menschentyp hervor, den wir der Einfachheit halber als den "Ungeduldigen" bezeichnen möchten. Im Englischen kam dann noch die Bezeichnung "The Now Generation" hinzu. Ich kann keinem ein Vorwurf daraus machen, daß er ein Funkgerät kaufen und es auch im praktischen Betrieb nutzen zu wollen, ohne acht Jahre darauf warten zu müssen, bis die Ausbreitungsbedingungen dies zulassen.

Früher gingen Leute in ein Amateurfunkgeschäft, weil sie sich für Elektronik interessierten, oder der Faszination des Funkens erlegen waren - grenzenloser Kommunikation ohne Draht. Das Problem mit der neu geschaffenen No Code Tech Lizenz war nur, daß sich genau solche Menschen nicht damit locken ließen. Vielmehr scheint sie diejenigen angesprochen zu haben, die eigentlich keinen Schimmer davon haben, wozu eine Amateurfunklizenz überhaupt gut sein soll. Eher scheinen sich Hinz und Kunz davon angesprochen gefühlt zu haben; jene Art von Typen, die einfach nur mit Hilfe ihrer Funke Kontakt halten wollten, oder die ihren Kindern etwas neuartiges zum Spielen vorführen wollten. Jedenfalls sind durch diese Einsteigerlizenz Leute zum Amateurfunk gekommen, die representativ für den "Ungeduldigen" der Now Generation sind.

Überlegt Euch, zu welcher Gruppe Ihr Euch zählt und dann lest weiter.

Hast Du keinen Schimmer, warum Du überhaupt eine Lizenz hast?

Dann erwarte bitte nicht, daß ausgerechnet ich Dir erklären kann, warum Du Dich mit einer Amateurfunklizenz schmückst. Schmeiß sie einfach weg. Zerreiß den Fetzen, gehe nicht über los und ziehe nicht DM 4000 ein. Hau ab.

Du liest immer noch? Mach den einfachen Test: Wenn Du eine der folgenden Fragen mit JA beantworten kannst, dann bist Du hier an der falschen Adresse. Garantiert.

1. Besitzt Du ein Segel- oder Motorboot und benutzt Amateurfunk als normales Kommunikationsmittel?

2. Arbeitest Du für eine gemeinnützige Organisation mit religiösem Hintergrund und wurdest aufgfordert, zur Ausübung Deiner Missionarstätigkeit eine Amateurfunklizenz zu erwerben?

Amateurfunk ist KEIN Ersatz für ein Inmarsat-Terminal oder ein Iridium-Handy oder ein Seefunkgerät an Bord eines Schiffes. Solltest Du da draußen mit Deiner Jacht eines Tages auf den Grund eines Riffs laufen und erwarten, daß ein Hilferuf auf den Amateurfunkbändern schnelle Rettung bringt, dann bist Du ein Einfaltspinsel. Tue Dir selbst einen Gefallen. Verkauf das Funkgerät UND die Jacht.

Das 20-Meter Band ist nicht Gottes Antwort auf die Bedürfnisse modernster Kommunikationstechnik. Und missionarisch im Namen Deiner Kirche darfst Du sowieso nicht auf den Bändern aktiv werden, weil es gegen die Spielregeln ist. Klar, darüber wird sich wahrscheinlich keiner groß aufregen - wer will sich schon mit Gott anlegen - aber ein paar werden sich schon finden. Zum Beispiel ich selbst. Wage es bloß nicht, an meine Tür zu bollern und mir erzählen zu wollen, wie ich mein Leben zu leben habe, wenn Du nicht in der Lage bist, ein paar einfache Spielregeln zu befolgen.

Wo sind denn nun Hinz und Kunz?

Weg sind sie. Sie haben gedacht, daß Amateurfunk eine Art billiger Ersatz für ihre Handys wären. Weder Hinz, noch Kunz haben sich jemals wirklich für Elektronik interessiert, oder für das Faszinosum des Funkens. Schon gar nicht haben sie sich für dieses Morsezeugs interessiert. Diese Leute haben nicht kapiert, daß jeder ihr Geschwafel à la "Schatz, mach mal dies, tu mal das" oder "Schatz, lass das mal sein" auf dem Relais mithören konnte. Sie habe auch nicht kapiert, daß ihre Kinder vielleicht das Dummgequatsche älterer Dummschwätzer auf dem Relais mithören konnten. Und sie haben vor allem nicht kapiert, daß nicht jeder Funkamateur unbedingt der nette Typ von Nebenan ist.

Was solltest Du tun, wenn Du merkst, daß Hinz und Kurz auf genau Deiner Wellenlänge funken? Ganz einfach: Ab zum nächsten Flohmarkt, Handfunke verkaufen. Erzähl Deinen Kindern, daß Gott soeben den Amateurfunk abgeschafft hat. Vergiß Amateurfunk. Irgendjemand hat Dich zu etwas verführt, was nicht Dein Ding ist. Du hättest eigentlich nie hier sein dürfen. Es tut uns leid. Bitte ruft Eure Lizenzbehörde an und versucht, Eure Prüfungsgebühren rückerstattet zu bekommen. Fangt an, Stofftierchen zu sammeln.

Und was ist mit den Typen der "Now Generation" ?

Sie sind sauer. Stinksauer. Die Generation der No Code Tech Lizenzen läßt sich simplerweise in zwei Untergruppen aufteilen: In diejenigen, die stinksauer sind und eh' kein Interesse am Amateurfunk haben und in diejenigen, die stinksauer sind, aber großes Interesse am Amateurfunk haben.

Und wieso sind sie stinksauer? Ganz einfach: Irgendjemand hat etwas, was sie selbst auch haben möchten und sie sekst bekommen es nicht, es sei denn sie strengen sich an lernen etwas, was jeder vor ihnen bereits lernen mußte. Sie aber wollen es JETZT und nicht SPÄTER. Und was genau wollen sie eigentlich JETZT und SOFORT haben? Sie wollen auf die Kurzwellenbänder, sie wollen dort funken dürfen, ohne sich mit diesem CW-Krempel beschaäftigen zu müssen, denn schließlich wissen sie ja, wie man ein MIKROPHON bedient. Und was tun sie daher? Sie wimmern, sie weinen, sie pinkeln jedem ans Bein, der CW kann und sie denken sich hunderte von Gründen aus, warum sie a) CW sowieso nicht lernen können und b) warum sie es nicht sollten.

Gruppe A: Stinksauer und nicht am Amateurfunk interessiert.

Man gab ihnen eine Lizenz. Schön für sie. Selbst die größte Dumpfbacke kann eine Prüfung bestehen, bei der man vorgegebene Fragen nur noch richtig ankreuzen muß und Antworten jeder Dumpfbacke zugänglich sind. Interesse an Elektronik? Nein. Interessiert am Funken selbst? Nein. Eh, ich weiß nicht so recht, wie... Vergiss es. Reine Energieverschwendung. Solltest Du jemals Zugang zur Kurzwelle bekommen, wirst Du feststellen, daß Du dort genauso fehl am Platze bist wie auf Deinem örtlichen Relais. Spar Dir das Geld für ein Kurzwellengerät, Du hast schon genug für Deine Handfunke ausgegeben. Und es gibt eh schon viel zuviele eingestaubte Kisten auf diesem Planeten.

Was tun, wenn Du an genau diesem Punkt angekommen bist? Les den Abschnitt mit meinem Ratschlag an Hinz und Kunz. Befolge ihn. Hau ab. Du hast einen Fehler gemacht. Du gehörst hier nicht hin. Noch hast Du eine Chance, Dich von der Bühne zu schleichen. Nutze sie.

Gruppe B: Stinksauer, aber wirklich am Amateurfunk interessiert.

Herzlichen Glückwunsch! Wenn Du zu dieser Gruppe gehörst, dann bist Du auf jeden Fall besser dran, als die Typen aus der anderen Gruppe. Klar, Du hast immer noch massenhaft Probleme. Immer wieder mußt Du Dir anhören, was für ein "LUPO" (Lousy, unskilled, poor operator) Du bist. Das tut weh, denn eigentlich willst Du ja dazugehören, Dich interessiert es wirklich.

Nun, Dir kann geholfen werden. Du hast bestimmt noch Freunde aus der Zeit, in der Du angefangen hast, Dich für Amateurfunk zu interessieren; Freunde, deren Gruppengehörigkeit wir aber ganz klar der ersten zuordnen würden. Vergiß diese Freunde, werd' sie los. Du hast genug um die Ohren und brauchst Dir nicht mehr das Geweine der LUPOs mit ihren Handfunken und Ohrstöpseln anzuhören. DU willst Amateurfunk und diese Typen sind nur nutzloser Ballast für das, was Du willst.

Zweitens: Über ein paar Sachen mußt Du Dir klar werden. Du bist kein Idiot, auch wenn das Rumhängen mit Typen aus Gruppe A Dir diesen Verdacht nahelegt. Am Anfang der LUPO, der Neuling und der Ahnungslose zu sein, gehört zum Programm. Da mußt Du durch. Als ich vor 25 Jahren mit der Funkerei anfing, war ich auch der LUPO, der Neuling und der Ahnungslose.

Ich hab's trotzdem überlebt. Dir wird's auch gelingen.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, mit dieser CW-Geschichte umzugehen:

1. Du kannst Einspruch bei der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation einlegen und dagegen protestieren, daß Kurzwellenzugang nur mit einer CW-Prüfung möglich ist.

2. Du tust das, was notwendig ist, um die CW-Prüfung zu bestehen, machst die Lizenz und hast Teil an einem Hobby, das wirklich Freude bereitet und das Dich für den rest Deines Lebens begleiten wird.

Mehr als diese beiden Möglichkeiten gibt es nicht. Das Rumhängen mit Typen aus Gruppe bringt Dich keinen Schritt weiter. Das Rumheulen und Lamentieren gegen die unfaire CW-Prüfung auch nicht.

Es geht nicht anders: Du MUSST umdenken. Du hast lang genug mit dem LUPOs rumgehangen, hast ihnen lange genug zugehört, hast lange genug das Zeugs gelesen, was sie in Schriftform von sich gegeben haben, so daß Du langsam aber sicher schon selbst glaubst, daß Du ein Idiot und ein Schwachkopf bist. Zu schwachköpfig, um dieses komische CW zu lernen. CW ist ja auch sooo schwierig und sooo anstrengend. Du wirst es NIE lernen.

Blödsinn.

Absoluter Schwachsinn.

JEDER kann CW lernen. Kleine Kinder haben es gelernt. Behinderte Menschen haben es gelernt. Aber bevor sie es wirklich lernen konnten, mussten sie eine ganz wichtige Voraussetzung mit bringen - den WUNSCH zum lernen. Wenn Dich Amateurfunk wirklich interessiert, dann mußt Du Dein Denken derart ändern, daß aus diesem Interesse eben genau dieser WUNSCH wird, der Wunsch das zu lernen, was notwendig ist, um daus dem Wunsch die Realität werden zu lassen.

Nun geht's also los mit dem CW.

Bevor wir nun anfangen mit CW, gibt es noch eine Sache, die zu erledigen ist. Mach Dich auf zum Treffen von Funkamateuren in Deiner Umgebung. Schau Dir all die alten Fürze an, die Du sonst manchmal auf dem Relais hörst und die Dich dort als LUPO bezeichnen. Gesell zu denen hinzu, die sich über das Funken auf Kurzwelle unterhalten. Aus dieser Gruppe suchst Du Dir den ältesten, gemeinsten und aus Sicht eines LUPOs hinterforzigsten Typen aus. Warte, bis sich die Reihen etwas gelichtet haben, sprech ihn an und erzähl ihm, daß Du wirklich großes Interesse am Amateurfunk und an Kurzwelle hast und daß Du von ihm lernen möchtest. In 90% der Fälle hast Du Glück und er wird Dich unter seine Fittiche nehmen. Sollte er aber wider Erwarten nein sagen, dann suchst Du Dir eben einen noch älteren, gemeineren und hinterforzigen Typen als den Vorhergehenden. Wenn Du Deinen Freund und Helfer gefunden hast, dann wird er Dir zur Seite stehen, Dich in die Geheimnisse einweisen und Dir eine ewige Quelle an Wissen sein und Dich mit vielen faszinierenden Seiten unseres großartigen Hobbies vertraut machen.

Zurück zum Morsen. Wie lernt man es also? Ich weiß es nicht. Für jeden einzelnen von uns gibt es Methoden die besser funktionieren, als andere. Ich kann Dir zwar erzählen, wie ich das Morsen gelernt habe, aber dem möchte ich noch etwas voranstellen. Als ich anfing, mich für den Amateurfunk zu interessieren, war ich so scharf auf die Lizenz, daß es kaum zum aushalten war. Mir war egal, wie ich zu dieser Lizenz kam, die Hauptsache war, ich war bereit, alles zu tun, um sie zu bekommen. Nicht einmal im Traumne dachte ich daran, was für eine Qual es ist, CW zu lernen, ich war einfach zu beschäftigt damit, es zu lernen. Ich habe nicht eine Sekunde darauf verschwendet, daran zu denken, wie man sich das Morsen ersparen könnte, ich war einfach zu beschäftigt damit, es zu lernen. Ich habe auch nicht daran gedacht, ob mir Morsen Spass macht oder mir keinen Spass macht, ich war einfach zu beschäftigt damit, es zu lernen.

Ich fing an, CW mit Hilfe von Tonbändern und Straßenschildern zu lernen. Die Cassette hatte ich ständig im Autoabspieler eingelegt und so hörte ich jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit und auf dem Rückweg den Morsekurs und prägte mir langsam die Zeichen ein. Dann fing ich an, Straßenschilder zu lesen und sie gedanklich in CW zu geben. Glücklicherweise sind mir Situationen erpart geblieben, in denen meine Konzentration und Rektionsgeschwindigkeit gefordert waren, sonst hätte das ein böses Ende nehmen können.

Und dann machte ich die erste Prüfung mit Tempo 25. Das Funkgerät hatte ich schon gekauft, der 40-Meter Dipol - abgestimmt für das Novice-Band - war schon fertig, die Station stand und ich wollte loslegen. Damals kam die Lizenz noch per Post und die Lizenzbehörde hatte noch keine Webseiten, auf denen man die Information früher hätte bekommen können. Mir kamen es vor als seien es 100 Jahre gewesen, aber irgendwann lag dann der ersehnte Brief im Kasten und ich durfte endlich funken.

OK, Tempo 25 ist ja schön und gut, wirst Du mir jetzt sagen, aber wie hast Du es denn geschafft, die nächsten Prüfungen mit Tempo 60 und schließlich Tempo 100 abzulegen? Ganz einfach. Ich habe gefunkt. Ohne es zu wollen, ohne es zu merken bin ich schließlich bei den höheren Geschwindigkeiten gelandet

 Ist die Lizenz erst mal da, klappts auch mit dem schnelleren Morsen. Einfach dadurch, daß man morst. Schalte das Funkgerät an und nutze dessen Möglichkeiten.So wie sich die Sprachfähigkeiten eines Kleinkinds durch Gespräche mit Älteren verbessern, so verbessert man auch als Funkamateur seine Fähigkeiten im Morsen dadurch, daß man sie nutzt. So wie sich ein Kleinkind dadurch ans Laufen gewöhnt, daß es einfach läuft.

Den ersten Kontakt in CW hatte ich mit Alice, WA4RRR, die knapp 1200 km von mir entfernt wohnte. Ich war so aufgeregt, daß es micht fast vom Sessel gehauen hat - die Vorstellung, mit jemandem zu reden und das einfach nur mit einem Stück Draht im Baum - das war schon Wahnsinn!! Als Novice fuhr ich um die 900 CW-QSOs, während ich die Theorie für die nächsthöhere Lizenzkasse lernte. Als die Zeit für weitere Prüfungen kam, brauchte ich mir keine Gedanken mehr um den CW-Teil zu machen. Durch aktives Funken reichte mein CW locker für die noch ausstehenden Prüfungen aus.

War's das wert?

Für mich gibt es auf diese Frage nur eine Antwort: Ja. Morsen zu lernen war sicherlich nicht einfacher, als es für andere Leute wohl sein wird. Aber ich habe mich nicht davon irritieren lassen, daß man es lernen mußte. Mache ich heute nur noch CW? Nein, ich nutze auch die Möglichkeiten von SSB, SSTV, PACKET, RTTY, FM und sonstigen anderen Spielarten, die mir in unserem Hobby zur Verfügung stehen. In den letzten 14 Jahren, die ich hier auf Guam verbracht habe, hatte ich Verbindungen in CW mit mehr als 36.000 Funkamateuren in aller Welt. Ist CW die beste Methode, um diese verbindungen zu führen? Ich weiß es nicht. Einige der High-Tech Anhänger sagen, daß digitale Betriebsarten schneller und effizienter sind. Mag sein, aber diese Betriebsarten werden nur mit Computern gemacht - CW hingegen machen Menschen. Kann man die Effizienz einer Computerbetriebsart mit menschlicher Effizienz überhaupt vergleichen? Ich weiß es nicht. Aber eins weiß ich: Wenn wir eines Tages mal zum Strand gehen und ein Stück Draht in die Palmen werfen, dann habe ich schon 10 CW-Verbindungen gemacht und der Typ mit dem Mikrofon noch keine einzige. Und wie schnell mein CW heute ist? Tempo 150 ist kein Problem, bei Contesten vielleicht auch um die 200 Bpm und traue ich meinem Computer und dem Programm PILEUP kann ich zumindest Rufzeichen bei Tempo 240-250 aufnehmen. Habe ich daran gearbeitet, diese Geschwindigkeiten zu erreichen? Ja, habe ich. Ca. 36.000 QSOs in CW auf Kurzwelle waren das simple Geheimnis, hohe Geschwindigkeiten in CW lesen zu können.

Was sagt KH2D zur Kurzwellenlizenz ohne CW?

Ich habe dazu keine Meinung. Eines Tages wird es sie wohl geben, die Kurzwellenlizenz ohne CW. Und wenn das der Fall ist, werde ich deswegen keine schlaflosen Nächte verbringen. Wenn sich die Gesetze ändern und über Nacht ein Rudel Neulinge über die Kurzwellenbänder einfällt, dann denke ich, daß die meisten von ihnen damit selbst nicht glücklich werden, weil ihnen viele Informationen fehlen, die man sich in langer Zeit der Auseinandersetzung mit dem Medium Kurzwelle aneignet. Sie werden sich einsam und verlassen fühlen und die meisten werden wohl nach kurzer Zeit wieder des AUS-Schalter ihres Gerätes betätigen. Sie werden sich so fühlen wie ein Westeuropäer, den es wie aus heiterm Himmel in die Innenstadt von Tokyo verschlägt und der kein Wort Japanisch spricht....

Geh' in den Zoo. Besorge Dir einen Affen. Geh' mit dem Affen ins nächstgelegen Krankenhaus. Stecke den Affen in einen weißen Kittewl und hänge ihm ein Stethoskop um den Hals. Stecke ihm dann noch eine Brieftasche in den Kittel und fülle sie mit Visitenkarten, die den Affen als Dr. med Schimpanse, Neurochirurg ausweisen. Verfrachte ihn in einen OP. Eine Woche später kehrst Du zurück und schaust nach, wieviele erfolgreiche Gehirnoperationen er durchgeführt hat. Keine? Warum nicht? Muß wohl daran liegen, daß er auf dem Weg vom Zoo ins Krankenhaus keine relevanten Informationen und technischen Hilfsmittel aufgeschnappt hat, die ihn zum Neurochirurgen ausgebildet hätten.

Keiner kann die Zukunft vorhersagen, nur die Leute aus der Fernsehwerbung mit den 0190er Nummern. Und die kann man von Guam aus nicht anrufen...

Jim Kehler