Subversiv

Veröffentlicht auf von DF5JT

Seit Jahren gibt es das geflügelte Wort "Das Jahr 200X wird das jahr des Linux-Desktop" und sei Jahren entpuppt es sich als verfrüht.

Seit einem Jahr jedoch, vielleicht sogar noch ein bißchen weniger, drängen Hardwarehersteller ultramobiler Geräte auf die Märkte und sie nutzen Linux. Nicht unbedingt das Linux, das man von Schrauben unter /etc und einem Texteditor her kennt, sondern vielgestaltigen Benutzeroberflächen, die auf das Gerät und dessen Einsatz zugeschnitten ist.

Für den durchschnittlichen User hat das benutzte OS keinen negativen Einfluß auf seine Kaufentscheidung, meistens möchte er eine bestimmte Funktionalität, die seiner Idealvorstellung bester Ausnutzung der Hardware nahekommt. Ob das nun mit Symbian OS, WinCE, Qtopia, iPhone oder irgendeiner anderen Herstellerkreation passiert, ist dem Nutzer egal. Er möchte, daß sein Teil bestimmte Aufgaben möglichst bequem erledigt, wennmöglich auch noch schnell, intuitiv bedienbar und idealerweise sogar elegant. Kein Betriebssystem für diese ultramobilen Devices hat in dieser Hinsicht ein Alleinstellungsmerkmal; jedes OS, jede Nutzeroberfläche tut das, was sie tun soll, mehr oder weniger erfolgreich.

Linux hat hier den unschätzbaren Vorteil, kostenlos zu sein. Bei einer gewissen angepielten Anzahl von verkauften Geräten hat der Proprietär-Hersteller des Geräte-OS eine große Freude an den Einnahmen der Lizenzen. In der Masse gesehen spielt das für einen Gerätehersteller, der mit engen Margen an einem heiß umkämpften Markt kalkulieren muß, inzwischen eine entscheidende Rolle. Nicht nur die Verfügbarkeit kostenloser Lizenzen, sondern das Kalkül, einen Großteil seiner Entwicklungsabteilung umräumen zu können. Diese können nun, ohne auf einen bestimmten OS-Hersteller angewiesen zu sein, das OS auf die Hardware zuschneidern, optimieren und anpassen.

Genau das ist in den letzten Monaten passiert. Es gibt inzwischen eine riesige Anzahl an "Linux-Distributionen", die an eine bestimmte Hardware angepasst wurden und für die es eine eigene Benutzeroberfläche gibt, die nicht dem traditionellen KDE/Gnome-Desktop entlehnt sind. EeePC, OLPC, PDAs und Google-Android ist nicht mehr fern.

In ein paar Jahren werden diese ultramobilen HighTech-Rechner den gängigen Desktop verdrängt haben. Man wird zwar auch weiterhin gerne mal einen Brief mit einer gescheiten Tastatur schreiben, aber dazu legt man das Ding einfach an einen Arbeitplatz, der Tastatur, Bildschirm, Maus hat und per Super-WLAN mit dem Allrounder verbunden ist. Der kann aber auch mit ins Wohnzimmer genommen werden, dort die Spielkonsole und den DVD-Player ersetzen. Telefonieren kann das Teil auch, Notizen, Videos, Bilder, Präsentationen erstellen, Mailen, Chatten, Filmchen gucken. Die Dinger werden modular sein, sich dem entsprechenden Einsatzzweck und -ort anpassen, vernetzt sein, kabellos Strom aus komischen Energiequellen beziehen und den Menschen in seinem kommunikativen Leben begleiten.

Und auf diesen zukünftigen Super-Hightech-Superpersonal-Computern wird Linux laufen. Und das wird dann das Jahrzehnt des Linux-Desktops.

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