The Windows Experience

Veröffentlicht auf von DF5JT

Man kennt das ja als alter Linux-Fritze: Distributionen sollte man sich zumindest mal angeschaut haben, um mitreden zu können, also gesagt, getan und das ultimative Tux 2008 heruntergeladen, gebrannt, gebootet, installiert:

http://www.microsoft.com/downloads/details.aspx?FamilyId=13C7300E-935C-415A-A79C-538E933D5424&displaylang=en

Schöne Installationsroutine, ein wenig an ein pastellines SuSE erinnernd, in der Einfachheit und Klarheit an Mandriva angelehnt und mindestens so aufgeräumt wie Ubuntu. Nach dem ersten Booten folgte dann die Ernüchterung: Das Redmond-Tux bringt eine eigene Version von GRUB mit, die es leider versäumt, die ursprüngliche menu.lst zu ergänzen. Stattdessen bootet das Redmonder Tux ohne Zögern zum zweiten Mal (warum, sagte es nicht). Na gut. Irgendeine andere Boot-CD genommen, chroot in meine Hauptdistribution, grub-install /dev/sda und gut war.

VistaX meckerte dann wegen eines angeblich zu langen oder zu kurzen oder zu unkryptischen Passwortes, aber gut, man will ja sicher sein.

Die zweite Ernüchterung: Die Kerneltreiber scheinen recht minimal gehalten zu sein, vermutlich hat man seit der Umstellung von Apple und Dirk Hohndels Engagement für Open Source keinen Bock mehr, Intel sinnvoll zu unterstützen, denn meine 945GM wurde nicht erkannt, lediglich 1280x1024 VESA wurde mir angeboten. Ein "modprobe intel" half nix und irgendwie scheinen sie auch die bash kaputtgemacht zu haben, denn das mit der History war dann auch nix. Pfeil rauf: Ja, Pfeil runter und nix passierte. Ctrl-A, Ctrl-K zeigten auch keine Wirkung.

Wie soll man mit sowas einen Server administrieren?

Egal, also wenigstens will ich jetzt den neuen KDE 5.0 ausprobieren, die Distribution hat ja alle Komponenten der Consumer-Distribution VistaX dabei. Also mit Konq^WExplorer auf die Intel-Webseite (nach 15 Minuten Herumsuchen auf der Seite des Distributionsanbieters ohne daß mir ein einziger Treiber angeboten wurde) und dort nach einem Grafikkarten-Treiber gesucht. Leider kam ich nur bis zur Startseite, auf der ich aussuchen sollte, in welcher Region ich mich befinde. Leider ohne "Go-Button". Navigation unmöglich. Hm, die Liebe zwischen Intel und MicroTuX scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen.

Also einen neuen Browser aus dem Repository versucht zu installieren und dann gemerkt, daß das Konzept Paketmanagement bei dieser Distribution wenig ausgereift ist, so daß ich also im 3. Anlauf auf der Startseite der Defaultsuchmaschine nach Firefox fündig wurde. Nur 5 Mal Sicherheitshinweise wegclicken (Superkonzept: Die Downloads von Mozilla sind im Round Robin konzipiert, so daß ich vielleicht Glück hatte, schon beim 5. Mal den Download starten zu dürfen) und schon durfte ich noch 5 weiter Male UAC spielen und endlich einen brauchbaren Browser benutzen.

Damit ging dann auch die Intel Webseite und mann mußte nur einmal booten, 10 mal clicken und schon war der neue Grafikkartentreiber installiert. Warum der Distributor Ctrl-Alt-Backspace deaktiviert hat, erschließt sich mir nicht, aber es werden wohl Sicherheitsgründe sein.

Ansonsten alles wie bei den üblichen Linux-Distributionen: Hardware weitestgehend erkannt, bis auf WLAN natürlich, schließlich ist eine 3945ABG ebenfalls von Intel. Nun gut, ich hatte ja schon zur Inbetriebnahme des Grafikkartentreibers ein CAT5-Kabel am Router, hätte aber schon erwartet, daß so etwas funktioniert, weil die WLAN-LED die ganze Zeit an war. Ich habe mich zwar gefragt, wie die Distribution an mein WPA-Passwort gekommen ist, aber wer weiß, was die da für Hacker haben.

Ooops, das muß man extra Nachinstallieren, als "Feature", so wie Themes auch Features sind. Und Themes will ich. Ich will endlich MicroCompiz in Aktion sehen.

Hm, eigentlich recht ernüchternd. Ein paar Farben zur Auswahl, genau ein cooles Meta-Tab-Programm-Umschaltdingsi, das man noch nicht einmal kreisförmig anordnen kann. Warum die den Krempel selsbt programmiert haben und dafür 5 Jahre brauchten, anstatt einfach das richtige Compiz zu nehmen?

Und warum die einem nicht mehr als 1 Desktop zur Verfügung stellen, verstehe ich auch nicht. Obwohl: Liegt wohl daran, daß es die Server-Edition ist und wer braucht bei einem Server schon mehrere Desktops.

Und nun ist Schluß mit lustig, denn die Partition auf der ich VistaX installiert habe ist 12 GB groß und jetzt sind nur noch 64 MB frei (Hätte ich vielleicht doch nicht die Services for Unix installieren sollen?) und VistaX meckert alle 3 Minuten in den höchsten Tönen der Verzeiflung, daß gleich der Super GAU eintritt. OK, ich habe mich überzeugen lassen. Morgen installiere ich mal Plan 9 oder sowas, das wird hoffentlich mit 12 GB auskommen.

Fazit:

* Schlichte Optik
* Mangelnde Hardwareunterstützung für Intel
* WLAN muß per Netz nachinstalliert werden
* Wenig festplattenschonend (Speicherplatz)
* Wenig festplattenschonend (Dauergerödel)
* Beschissenes Paketmanagement
* Unbrauchbare bash
* Keine ssh an Bord
* Das Konzept von UTC und NTP hat man dort immer noch nicht verstanden
* Copy & Paste mit Markieren und mittlerer Maustaste geht nicht

VistaX aus dem Hause MicroSuX ist eine stabile, schnelle Distribution, wie man es von jedem kostenlosenLinux erwarten darf, aber Geld dafür bezahlen würde ich nicht.

Mach' ich auch nicht.

Veröffentlicht in Rants And Diatribes

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