Adios 6310i, welcome N95

Veröffentlicht auf von DF5JT

Ich scheine kein glückliches Händchen mit Handys zu haben. Mein erstes 6310i habe ich keine Woche nach dem Kauf verloren, irgendwann mitten in der Nacht auf einem Autobahn-Parkplatz. Da ich es damals aber als sehr cooles Handy schätzte, habe ich bei einem Aufenthalt in Abu Dhabi ein neues, gebrauchtes nachgekauft. Das hat mir auch gute Dienste geleistet, bis es irgendwann kaum noch Tastatureingaben annahm und ich es durch diverse andere Billighandys ersetzt habe. Ein Freund hat dann mit entsprechendem Werkzeug das Gerät geöffnet und die Kontakte gründlich gereinigt, so daß ich das 6310 mehr als 5 Jahre genutzt habe.

In der letzten Woche habe ich das Handy im Zug liegen lassen und eine Meldung beim Fundbüro der Bahn blieb leider erfolglos. Also Karte gesperrt und am nächsten Tag zum O2-Laden, um die eh anstehende Vertragsverlängerung auszunutzen und ein neues Handy zu holen. Folgende Eigenschaften sollte es haben:

  • UMTS
  • WLAN
  • GPS
  • gute Kamera
  • gute Video-Aufnahmen
  • Linux-Kompatibilität
Da gab es nicht viele Alternativen zum N95 und 50 EUR Zuzahlung waren auch mehr als OK.

Ich habe es nicht bereut: Das Teil ist schon sehr Klasse und die Kinderkrankheiten, über die man im Netz viel nachlesen kann, scheinen mit der letzten Revision der Firmware auch ausgemerzt worden zu sein. Für jemanden wie mich, der noch nie ein Smartphone besaß und ein Handy ausschließlich als Telofonierteil ansah, ist die erste Bekanntschaft mit dem N95 schon eine recht spannende Sache. Wenn man sich erst einmal in das Bedienkonzept des S60-Software hineingedacht hat, dann ist es erstaunlich, wie leicht es ist, die vorhandenen Applikationen einzusetzen und das Telefon als solches zu nutzen. Gottseidank hatte ich ein paar Tage vor dem Verlust des 6310i noch eine Sicherung der Kontakte über KMobiletools angelegt, so daß ich diese Daten sofort nutzen konnte.

Telefonieren:

Was mich wirklich umgehauen hat, ist die Sprachqualität des Handys; deutlich besser als die jedes anderen Handys, das ich jemals in der Hand hatte. Glasklare Sprachübertragung ohne jegliche Digitalartefakte und als Bonbon die Möglichkeit, einen normalen Kopfhörer an die 3,5 mm Klinke anzuschließen und das Mikro des Handys zu nutzen. Ansonsten die übliche Benutzerführung zur Auswahl der Kontakte. Es gibt auch Klingeltöne, die nicht wirklich ganz furchtbar sind und wenn man ein Profil wählt, bei dem zuerst das Handy vibriert und dann der Klingelton langsam lauter wird, ist es sogar einigermaßen umweltverträglich.

Internet:

Nutze ich derzeit ausschließlich über WLAN, aber ich werde wohl mal die Flatrate für 3 Monate testen. Konnektivität über WLAN ist kindereinfach: Access-Point suchen, WPA-Schüssel eingeben, speichern und schon ist man drin. Der Browser ist sehr gut nutzbar, wenn man mal das Bedienkonzept über die Tastatur verstanden hat. Umschalten zwischen Hoch- und Querformat ist bei manchen Webseiten recht praktisch und Youtube-Videos sind tatsächlich durchaus ansehbar.

SSH ohne richtige Tastatur ist allerdings albern, weswegen ich Putty erst gar nicht installiert habe. Allerdings gibt es eine zusammenfaltbare Bluetooth-Tastatur und das könnte dann tatsächlich recht nett sein. Mal sehen.

GPS:

Das war für mich einer der ausschlaggebenden Gründe, mir dieses Handy zuzulegen und ich muß sagen: Ich bin beeindruckt. Ich wußte, daß man es nicht vergleichen kann mit einem vollwertigen Navigationsgerät, aber beim Spazierengehen ist es doch eine recht nette Sache. Allerdings ohne Internet  noch nicht richtig praktisch nutzbar, zumindest habe ich noch keinen Weg gefunden, bestimmte Kartenausschnitte vorher zu laden, so daß man unterwegs kein Netz mehr benötigt. Nun gut, Datenflatrate ist wohl wirklich ein Muß.

Konnektivität:

GPRS, GSM, UMTS, Bluetooth, WLAN, Infrarot. Mehr braucht man nicht.

Linux-Kompatibilität:

Die schlechte Nachricht vorweg: Etwas vergleichbares zur Nokia PC-Suite gibt es unter Linux nicht, auch gnokii und Konsorten tun nicht; es gibt grundsätzliche Connect-Probleme, egal ob via Bluetooth oder USB-Kabel.

Was geht trotzdem:
  • Memorycard als Speichermedium via USB
  • GPS via Bluetooth
  • Zugriff auf Kontakte und Termine
  • Zugriff auf Kamera (Video und Standbild)
Die letzten beiden Sachen sind eher aufwendig.



Zum Zugriff auf Kontaktdaten (können nicht geändert werden) und Termine beötigt man einen Webserver. Jawohl, einen richtigen Apachen und zwar auf dem Handy:

Nokia Mobile Web Server

Das Wiki ist recht gut geschrieben und die Dokumentation ausgzeichnet. Hilfe gibt's direkt vom Entwickler in den entsprechenden Nokia Diskussionsforen. Wenn man den Server ausschließlich für den lokalen Zugriff über WLAN konfiguriert, dann ist es auch von der Geschwindigkeit her brauchbar; über Internet nur dann, wenn man tatsächlich einigermaßen Upload-Bandbreite hat.

Cooles Gadget: Kamera ferngesteuert auslösen



Zugriff auf die Kamera funktioniert auch und zwar über einen auf dem Rechner/Notebook installierten Apache im lokalen Netz:

Movino Website


Zunächst muß man die entsprechende Applikation auf dem N95 installieren, dann noch einen Video-Server auf dem lokalen Rechner kompilieren und installieren. Die Einstellungen sind praktisch selbsterklärend, wobei man sich überlegen muß, ob man dem Handy tatsächlich noch ein MPEG-Encoding zumuten sollte. Die besten Ergebnisse habe ich mit dem unkomprimierten Video-Signal erreicht, aber egal in welcher Größe, ohne Ruckeln geht's nicht. Hübsch ist die Möglichkeit, beide im Handy integrierten Kameras zu nutzen. Das Abspielen geht einfach via mplayer oder vlc.



GPS läßt sich ebenfalls über Linux nutzen. Dazu benötigt man eine entsprechende Applikation auf dem Handy:

ExtGPS

Danach stehen bei entsprechender Bluetooth-Konfiguration die NMEA-Rohdaten auf /dev/rfcomm1 zur Verfügung. Wer sich den Luxus von Google Earth Pro geleistet hat, kann jetzt das N95 als externes Device nutzen.



Fazit:

Doch, ich bin sehr angetan von dem Teil. Man kann sicherlich noch eine ganze Menge hübscher Sachen damit machen, aber einen richtigen Rechner kann es natürlich nicht ersetzen. Aber um unterwegs mal ein paar Webseiten zu lesen oder seinen Standort zu bestimmen, das ist schon OK. Allerdings ist die Batterielaufzeit recht bescheiden; das Nachfolgemodell hat einen deutich größeren Akku, ist allerdings dafür auch nicht mit einem separaten Micro-SD-Slot ausgerichtet und verzichtet ganz auf die Abdeckung der Kamerablende.

Hier noch ein paar hübsche Applikationen, die ich ganz hilfreich finde:

OGG-Player

Geocaching-Applikation


Opera-Mini

Veröffentlicht in Nokia N95

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Schalk 07/20/2008 16:44

Hallo, Du schreibst im 2. Absatz, was das Handy alles können soll. Ähmm, soll man damit auch TELEFONIEREN können? ;-)