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Open Source Jobs

Donnerstag, 22. mai 2008
... machen einfach nur Spaß.

Gestern hatte ich einen Termin bei einem meiner Kunden, der derzeit massiven Bedarf an Linux-Leuten hat. Üblicherweise bekommt man bei solchen Terminen nur den Personalchef zu sehen, der einem wohlformulierte Stellenausschreibungen (siehe Link) überreicht, einem noch was erzählt, wie die Betriebsrentenregelung und der Urlaubsanspruch aussieht und vielleicht noch eine klare Ansage darüber macht, was ein potentieller Kandidate verdienen kann.

Gestern aber war's einfach nur spaßig: Zwei Abteilungsleiter, die mir erklärt haben, an welchen Projekten derzeit gearbeitet wird (IPTV, VoIP, Clustering und noch ein paar andere, sehr lustige Sachen), wie man einen Kollegen langfristig aufbaut und dessen Kenntnisse erweitert, welche Perspektiven jemand im Unternehmen hat. Denen war der Lebenslauf eines Kandidaten recht egal, Hauptsache, er hat was drauf, ist mit Leidenschaft bei der Sache, kann sich mit Begeisterung auf neues einschießen und sieht Linux als das genialste Ding seit der Erfindung des geschnittenen Brotes.

Arbeitsplatz: "Hey, uns ist egal, wie die sich ihren Rechner einrichten. Die bekommen einen High-End-Rechner, zwei Monitore und sollen sich ihr Betriebssystem und ihre Applikationen so einrichten, wie sie es für richtig halten. Wenn sie das nicht können oder wollen, dann sind sie sowieso am falschen Platz gelandet. VLAN mit restriktiven Zugriffsrechten für interne Services, aber ansonsten völlige Freiheit."

Experten: "Wir ziehen uns unsere Consultants selbst heran, weil wir keine Lust haben, einen externen einzukaufen, der erst mal zwei Monate braucht, um unsere Strukturen kennenzulernen, bevor er sich an die Arbeit macht. Wenn wir merken, daß jemand in einem Fachgebiet einfach abgrundtief viel drauf hat, dann fördern wir das. Kurse, Zertifizierungen, eigene Projekte, Hardware. Egal, hauptsache, der ist richtig gut und wandert nicht so schnell ab."

Kommunikation: "Bei uns kann es passieren, daß der Vorstand mit einem Azubi am Kaffeeautomaten eine halbe Stunde festhängt und sich über Rollenspiele unterhält."

Hmm, ja, könnte mir vorstellen, daß es Spaß macht, dort zu arbeiten. Keine Kleiderordnung und Teamleiter, die wissen, daß manche Linuxleute leicht wunderlich sein können. Und dann auch noch eine Spielwiese von 40.000 Servern.

Ja, ich glaube, auf dem Linux-Tag werde ich den einen oder anderen dafür begeistern können, dort zu arbeiten.
von DF5JT
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Donnerstag, 22. mai 2008
...kapieren einfach nicht, daß bestimmte Jobs nicht einfach dadurch zu besetzen sind, daß man eine Stellenanzeige nach dem 08/15-Prinzip schaltet, die dann so aussieht:



Ganz toll, liebe Kollegen!

Ihr sucht also für ein "führendes Technologieunternehmen" einen Linux-Admin. Klar, dem potentiellen Arbeitnehmer hat es schließlich egal zu sein, in welchem beruflichen Umfeld man sich befindet, ob es nun Biotechnologie, ein Webhoster oder eine High-Tech-Brötchenrösterei ist. Weil, der Admin sitzt eh den ganzen Tag in seinem Cubicle und ihn hat es nicht zu interessieren, mit was der Laden überhaupt sein Geld macht; persönliche Interessen für bestimmte Branchen sucht man bei Admins sowieso vergebens.

Und können muß er nicht nur Linux, nein, auch gerne Windows 2003, Oracle, auch noch Nagios und natürlich Solaris. Und Eure Telefonanlage soll er womöglich auch noch konfigurieren, der Sekretärin ihr Internet reparieren und Scheffes letzte Powerpoint-Präsentation retten, die er versehentlich beim Surfen interessanter Seiten einem Trojaner übergeben hat.

Und natürlich muß er sozialkompetent sein, flexibel und selbstverständlich auch noch kundenorientiert.

Schon klar.

Eigentlich sollte Euch der Auftraggeber die Anzeige  furchtbar um die Ohren hauen, sämtliche anderen Kunden über Eure Unprofessionalität informieren und dafür sorgen, daß Ihr möglichst schnell pleite geht.

Kapiert Ihr eigentlich irgendwann einmal, daß es solche Kandidaten nicht gibt? Und wenn doch, dann gehen die unter der Hand weg wie frische Semmeln. Solche Leute gucken nicht auf irgendwelche schicken, bunten, blinkenden Monsterportale, sondern die können sich aussuchen, wo sie arbeiten wollen. Die haben bestimmte Anforderungen an einen Job, in dem sie richtig gut sind und die möchten sie sehen, bevor sie sich auf eine Stelle bewerben.

Ein vernünftiger Personalvermittler ist eine Schnittstelle zwischen dem Kunden und einem potentiellen Kandidaten. Banal, aber wahr. Eine Schnittstelle funktioniert aber nur dann, wenn sie die Sprache beider Seiten versteht und die obige Stellenanzeige ist das perfekte Beispiel dafür, daß der Vermittler keine der beiden Seiten verstanden hat und somit gar nicht in der Lage ist, zwischen beiden zu vermitteln.


von DF5JT
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